Klimazielerreichung 2020

Eigentlich war es schon aussichtslos, doch Corona hat auch gute Seiten. Zum Beispiel die, dass Deutschland seine Klimaziele für 2020 sogar übertroffen hat. Experten warnen aber, dass der Ausstoß von Treibhausgasen wieder anziehen wird. 40 Prozent weniger CO2-Emissionen als 1990 – das war das Klimaschutzziel Deutschlands für 2020. Allerdings schien es in so weite Entfernung gerutscht zu sein, dass nochmal nachgebessert wurde. 2017 wurde die Erwartung auf 37 Prozent nach unten korrigiert. 2020 auf 35 Prozent. Doch dann kam Corona, die Wirtschaft brach teilweise ein, die Mobilität sank, der Energieverbrauch ebenfalls. Als Folge konnte Deutschland sein Klimaziel sogar übertreffen.

Ziel übertroffen, dann übertroffen

Einer Analyse der Denkfabrik Agora Energiewende zufolge wurden im Jahr 2020 42,3 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen als 1990. Ziel übertroffen! Die Emissionen gingen um 80 Millionen Tonnen CO2 zurück auf 722 Millionen Tonnen. Doch die Freude dürfte nicht lange halten, denn Experten rechnen damit, dass die Emissionen wieder ansteigen, sobald die Wirtschaft wieder anzieht.
Der Rückgang der CO2-Emissionen liegt nach den Berechnungen zu zwei Dritteln an der Corona-Pandemie. Ohne sie wären es wohl nur 25 Millionen Tonnen weniger gewesen – das entspräche einer Minderung von 37,8 Prozent. Ziel verfehlt. Hauptsächlich verantwortlich war im vergangenen Jahr das Sinken des Energieverbrauchs auf Grund der Pandemie. Aber auch ein milder Winter, in dem nicht so viel geheizt wurde, sowie relativ hohe CO2-Preise in der EU und niedrige Gaspreise sorgten für den Rückgang an Emissionen.

“Echte Klimaschutzeffekte hat es 2020 nur im Stromsektor gegeben, denn hier gehen die CO2-Minderung auf den Ersatz von Kohle durch Gas und Erneuerbare Energien zurück. Verkehr und Industrie werden wieder mehr Treibhausgase ausstoßen, sobald die Wirtschaft wieder anzieht.” Patrick Graichen, Direktor Agora Energiewende

Mehr Windkraft, weniger Kohle

Erstmals wurde 2020 mehr Strom aus Windkraft als aus Kohle produziert. Nach Sicht der Experten ein Schritt in die richtige Richtung. Das liegt wohl auch am steigenden CO2-Preis der EU, der vor allem die Kohleproduktion teuer macht. Erneuerbare Energien stehen weiter im Fokus. Beim Ausbau von Wind- und Sonnenstrom gelte es, “das Tempo jetzt schnell zu erhöhen”, sagte die Bundesumweltministerin Svenja Schulze zu den Ergebnissen. So sollen unter anderem bis 2030 65 Prozent der Energie aus Ökostrom produziert werden. 2020 waren es 46,2 Prozent. Ohne Corona wären es 44,6 Prozent gewesen. Wasserstoff ist seit Jahren ein Schwerpunktthema der Energieforschungsförderung des Bundesforschungsministeriums. Im Bereich der Wasserstofftechnologie fördert das BMBF technologieoffen hochinnovative Ansätze zu Produktion, Transport und Nutzung. Im Fokus stehen Elektrolyse, Methanpyrolyse, künstliche Photosynthese sowie Brennstoffzellen. Dafür investiert das BMBF bis 2021 bereits 180 Millionen Euro. Diese Innovationsförderung soll nun noch stärker mit der Klima-, Energie- und Wirtschaftspolitik verzahnt werden. Im Rahmen der Nationale Wasserstoffstrategie wird das BMBF die Entwicklung neuer klimafreundlicher Wasserstofftechnologien weiter vorantreiben. Mehr als 300 Millionen Euro stehen dafür bis 2023 allein aus dem Klimafonds bereit. 

Ziele für 2030 jetzt im Fokus 

Daher sei es jetzt den Experten zufolge wichtig,schnell klimapolitisch zu handeln, denn 2021 dürften die Emissionen wieder steigen. Und das nächste Ziel ist schon gesetzt: Bis 2030 sollen in Deutschland 55 Prozent weniger Treibhausgase als noch 1990 ausgestoßen werden. Auch EU-weit wurde dieses Ziel im Dezember von 40 auf 55 Prozent bis 2030 angehoben.
Quelle: https://www.br.de/nachrichten/wissen/klimaziele-fuer-2020-in-deutschland-doch-noch-erreicht,SLDZF1G